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	<title>Harmonik Netzwerk &#187; Akroasis</title>
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		<title>Akroasis &#8211; in Tempus Präsens &#8211; Biljana Papazov Ammann</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 15:08:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>alex</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Akroasis]]></category>
		<category><![CDATA[Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Akroasis - in Tempus Präsens - Biljana Papazov Ammann
Anhörung - als Weg zu einer höheren Bewusstheit

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Vortrag auf dem Harmonik-Symposium Nürnberg 2010<br />
von Biljana Papazov Ammann, Neuchâtel</p>
<p>Anhörung &#8211; als Weg zu einer höheren Bewusstheit</p>
<p>Es ist wunderbar, dass heute in einer Zeit, geprägt von ökonomischem Denken mit oft negativen Folgen, wir uns hier Gedanken über die Harmonik machen. Ich möchte mich sehr herzlich bei den Organisatoren für ihre Initiative und Arbeit bedanken! Es ist ein echt „harmonkales“ Ereignis, ein Privileg, hier zusammen zu sitzen  und über die erhabenen Dinge und kreativen Prozesse im Leben zu sprechen.<br />
<span id="more-417"></span><br />
In der Harmoniklehre ist für mich die &#8220;geistig-seelische Haltung“ ansprechend, wie Hans Kayser sie in seinem Artikel von 1957 –„Die Begriffe Gottheit und Schöpfergott in der harmonikalen Symbolik“ beschreibt. Er betont die Ton-Zahl als Urphänomen hinter der pythagoreischen Metaphysik. Für ihn  ist die Akroasis, die Weltanhörung die wichtigste  Ergänzung zur Aisthesis, zur Weltanschauung. Das Erleben steht im Gegensatz zur Rationalisierung und ergänzt sie. Das ist sein Anliegen im Symbol der Harmonik. Das Symbol als Begriff ist eben die erlebte, die erkämpfte Ergänzung, die aus freien Willen zu gestalten ist.</p>
<p>Für mich ist das: Aufruf für innere Bewegung zur Bewusstheit durch Weltanhörung, durch die Bereitschaft, dich in dem DU hineinzuversetzen und als DICH selber zu erleben! Ist das nicht wunderbar!  Diese empathische Fähigkeit fürs Anhören ist uns geschenkt und sie ist es, die aus uns „Zeitgenossen“ macht. So möchte ich auch mein Votrags-Tittel: „Akroasis –in Tempus Präsens“ darlegen. Lassen wir uns auf dieses Abenteuer ein.</p>
<p>Diese Idee von Hans Kayser- ich habe sie schon ein paar Jahre  &#8211; seit 2005 immer in mir getragen und das Anhören, Zuhören als ein wichtiges, sogar entscheidendes Phänomen im Leben empfunden. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es uns genug bewusst ist &#8211; wie wichtig dieses Intervall des Anhörens in dem eigenen Schicksal ist und sogar eine grosse Rolle spielt. Somit ist es natürlich auch im Schicksal der Menschheit wichtig.</p>
<p>Evolution als die andere Seite der Involution</p>
<p>Ich habe zum Beispiel auch meinen Vortrag auf der Evolutions-Konferenz in Ägypten -„Darwin now“ von 2009  mit diesem Phänomen angefangen. Den Biologen, die über die Evolution ihre grossartigen Kenntnisse ausgetauscht haben, habe ich über einen Film erzählt und eine Definition von Rudolf Steiner geschenkt. Das mache ich auch hier, damit wir die belebende Kraft der Akroasis weiter erfassen können.<br />
Es geht um den Film: “Die Legende vom Ozeanpianisten“- dieser Film ist ein Epos von Oscar-Gewinner Giuseppe Tornatore aufgrund der Romanvorlage von Alessandro Barico. Die Pointe des Filmes war, dass das Erzählen und Zuhören als eine speziell menschliche Gabe zu betrachten sei, als ein lebensrettendes Phänomen.</p>
<p>Solange du eine gute Geschichte hast und dir jemand zuhört, bist du noch nicht verloren.</p>
<p>Es handelt sich um einen Menschen mit seltsamem Schicksal. Er ist als Baby auf einem luxuriösen Ozeandampfer ausgesetzt worden, der um die Jahrhundertwende zwischen der alten und der neuen Welt hin -und herpendelte. Die Matrosen, die dieses Findelkind fanden und grossgezogen haben, gaben ihm den Namen „Neunzehnhundert“.<br />
Er ist der sagenhafte Ozeanpianist, eine lebendige Legende, weil er Zeit seines Lebens nicht mehr von Bord gehen wird. Das Leben an Bord ist überblickbares lebendiges System, wo die Musik ihre Wirkung hat, im Unterschied zu der Welt draussen auf dem Kontinent wo von  überall nur Lebensgefahr droht. Dort bleibt kein Platz mehr für die höheren Botschaften des Menschwerdens und der Ozeanpianist wehrt sich sogar das sinkende Schiff zu verlassen. Es ist ein dramatisches Ende, das durch eine optimistische Pointe übermittelt wird: die letzten zwei gebliebenen Protagonisten wissen, dass so lange du lebst und eine Story erzählen kannst (ein sinnerfülltes, heilwerdendes System bilden kannst) und solange jemand diese Story sich anhören will – dann, und nur dann gibt es noch eine Chance zur Rettung.</p>
<p>Das sind die Rahmen in welchen sich unser Schicksal abspielt. </p>
<p>In diesem Sinne schenke ich euch auch die wunderbare Definition von Rudolf Steiner, die das Lebendige beschreibt:<br />
„Evolution ist Expansion des Geistes im Äusseren des Stofflichen.<br />
Involution ist Konzentration des Geistes im Inneren des Seelischem“</p>
<p>In diesen Rahmen möchte ich die Sinngebung als transformierenden Impuls finden und mit eurer Hilfe erfassen können.<br />
Wir haben schon ein Mal in meinem Vortrag auf dem Berner Symposium  im November 2005 etwas Ähnliches gemacht. Die Idee für den Titel damals kam von Klaus: „Harmonik als Ideal &#8211; von der Autopoiesis zur holistischen Lebensauffassung“. So bin ich durch Klaus ein Fan von dem chilenesischen Biologen Francisco Varela geworden. Im ersten Vortrag damals habe versucht, seine kybernetische Stern-Theorie zusammenzufassen. Heute möchte ich meine Begeisterung und meinen Respekt ihm gegenüber mit einfachen Worten mit euch teilen.<br />
Ich habe mir einen Dokumentarfilm über sein Leben und seinen Tod angeschaut und seine Interviews sorgfältig angehört.</p>
<p>Fig. 3 Francisco Varela</p>
<p>Das Faszinierende ist für mich  zum Beispiel, wie er das Wort Achtsamkeit als einen der wichtigsten Begriffe verwendet, so dass er dieselbe  Qualität hat wie „Anhörung“. Natürlich, viel wichtiger ist sein Grundbegriff &#8211; Autopoisis als Selbstorganisation, Selbsbsterstellung des Lebendigen. Für ihn kommt ein System zu dieser Selbst-Reproduzierung durch den Impuls der Sinngebung – die Fähigkeit, sich Bedeutung geben zu können, sich erzählen können.<br />
Autopoeisis ist für ihn ein identitätsbildender Prozess zwischen Einheit und Identität. Oder im Namen der Autonomie (Freiheit) wird durch den Impuls der Sinngebung eine Geschlossenheit herausbilden, die sich selber erzählt.</p>
<p>Das gelebte Symbol als heuristische Haltung</p>
<p>Die anspruchvolle Rolle des Metaphers und des Symbols ist Varela sehr bewusst und er definiert  es auch entsprechend klar: Ein Metapher durch seine Autonomie ist geschlossen auf der Informationsebene und geöffnet auf Energieebene. Auf diese Art ist eine heuristische Entdeckung über die Rolle der Identität des Menschen als Persönlichkeit gegeben.<br />
Wir verfügen auf verschiedenen Arten von Wissen – das eine darf mit dem anderem nicht verwechselt werden, sondern man soll sie achtsam korrelieren. Die Ideen, die uns begeistern,  können wir auch in Realitäten gestalten, so weit wir den Sachen eine formelle und strukturelle Basis geben und durch lebendige, sinnerfüllte, individualisierende Partizipation ausführen.</p>
<p>Die Harmoniklehre als Symbol</p>
<p>Die Harmoniklehre ist für mich ein Symbol, das inspirieren kann, das ein Einklang zwischen Wissen und Weisheit ist, zwischen der vergänglichen Zeit und der ewigen Zeit.<br />
Dieses Symbol kann auch eine heuristische Rolle spielen, wenn man die Bedingungen in konkreten Systemen berücksichtigt und keine Übertragungen macht, sondern nur den Schwung, die Zugehörigkeit zu einem Zusammenhang lebt und teilt.</p>
<p>Fig. 4  Hans Kayser um 1957</p>
<p>Harmonik als wechselseitige Beziehung zwischen Aistesis und Akroasis gibt eine Qualität der Resonanz und diese Qualität kommt von innen und geht nach aussen. Es hat beides: Zwang und Freiheit.<br />
Der Zwang bedeutet, dass dieses Selbst in einem Medium eingebetet ist, mit dem es ständig „redet“. Diese Freiheit bedeutet, dass ein Individualisierungsprozess stattgefunden hat.</p>
<p>Fig. 5 Johann Wolfgang von Goethe mit der durchwachsenen Rose</p>
<p>Die interessante Frage der Freiheit wird heute von den Biologen auch verfolgt und damit ist Goethes Idee des Lebendigen wieder gefunden. Die Biologie beginnt, die kreative Leistung der Organismen (als Individuen) zu entdecken – das Mutationsgeschehen wird teilweise, auch unter dem Druck von Aussen, von den Lebewesen selbst gesteuert.<br />
Die Natur zeigt uns Vielfalt als Erfolgsrezept, im Gegensatz zur „Selektion des Stärksten“, wie es in grober Vereinfachung beim Sozialdarwinismus heisst.<br />
Das ist auch ein Anliegen zeitgenössischer Biologen als Sozialkünstler, diese Idee zu popularisieren, dass nicht Kampf ums Überleben als Motor der Entwicklung zu verstehen ist, sondern Kooperation und gemeinsame Entwicklung.</p>
<p>Durch Selbsterkenntnis zur Erkenntnis</p>
<p>Die Erkenntnisfrage ist die wichtigste, aber auch die schwierigste in der Philosophie. So ist es im Leben auch, weil wir an einem Punkt gelandet sind, wo wir ohne Selbsterkenntnis nicht mehr zur Erkenntnis, zur Verbindung mit der Weisheit, zur höheren Bewusstseinstufe, zu universeller Intelligenz, zu neuer  Bewusstheit, zu dem einen Gott, zu dem Einen usw. nicht mehr anknüpfen können. Wir müssen auf den individuellen Weg der Initiation beschreiten, jeden Tag aufs Neue &#8211; auf unsere eigene Verantwortung. Wir haben keinen leitenden Priester, keinen Hierophanten, der für uns das neue Bewusstsein einführt. Die Wahl liegt in unserer Entschlossenheit und die Verstärkung kann durch Zugehörigkeit zu gemeinsamen Zusammenhängen kommen. Auf diese Weise können wir viel stärker auf die Schlüsselrolle des menschlichen Geistes als Träger der sich entfaltenden Bedeutung des Universums verweisen. Durch Empfinden und Sinngebung wird der individuelle Prozess der sozial-harmonischen, weltverändernden Gestaltung in Gang gesetzt.</p>
<p>Das Gegenteil ist auch gültig – erst durch den Geist des Menschen wurde die Natur sich selbst verständlich! Das ist eben der christliche, westliche „Pantheismus“ in der „Zweiten Perspektive“ des westlichen Projektes, wo das Konzept der Romantiker der Kern ausmacht. Die Grundidee ist, dass alles von der Natur durchdrungen ist und der menschliche Geist selber ein Ausdruck des menschlichen Seins der Natur ist.<br />
Man kann sogar das Sein als Natur selbst formulieren, als das universale Unbewusste, das durch den menschlichen Geist und die menschliche Phantasie die Bewusstwerdung seiner eigenen Wirklichkeit hervorbringt.<br />
Und die Bewusstwerdung passiert schrittweise im Laufe des Leben. Das menschliche Leben ist Lernen durch den Akt von „Bedeutung Geben“! Dann hört uns auch die Natur an &#8211; wenn wir ihr ihre Bedeutung mitteilen.<br />
Jede Art der Partizipation braucht entsprechende Sinngebung, um eine lebendige Teilnahme zu gestalten. Das passiert funktionell auf allen Stufen des Lebens, wenn wir es evolutionistisch betrachten. Im menschlichen Intellekt aber findet die Welt zu gedanklicher Fassung und zu bewusstem Ausdruck und die Belohnung ist, dass Gott sich offenbart.</p>
<p>Für Hans Kayser war es klar, dass die Beziehung des menschlichen Geistes zur Welt letztlich nicht von Dualismus geprägt wurde. Es stimmte, dass die qualitativen Unterschiede (Tonempfindung) auf quantitative Unterschiede (Masszahl) zurückgeführt werden können, was als pythagoraeisches Erbe als Fundament der heutigen exakten Wissenschaften dargestellt hat.<br />
Anderseits aber sei nicht weniger wichtig, dass sich Quantitatives von dem Menschen und durch Menschen bewerten und empfinden lässt. Diese undurchsichtige, grossartige Ordnung der Natur des Seins ist da und durchdringt alles. Auf eine wechselseitige Beziehung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem kommt es an!</p>
<p>Die versteckte Harmonik als Eigenschaft der heutigen Zeit</p>
<p>Die Neuzeit ist durch Symmetriebruch gezeichnet, was aber die Harmoniklehre noch aktueller macht. In diesem „Kriegertum“ wie man häufig sagt, wird man Mut brauchen, um aus dem Dualismus, aus der Pseudosicherheit irgendwelcher Referenz auszubrechen und so eine neue Lebensart anzunehmen, wo der Weg das eigene Anliegen ist.<br />
Dieser Weg ist mit viel Achtsamkeit &#8211; mit viel Anhören verbunden, mit anderen Worten mit der Bereitschaft jeden Tag einer Wahl zu treffen für die man liebevoll die Verantwortung trägt. </p>
<p>Fig. 6 Pablo Picasso</p>
<p>Die Essenz dieser gegenwärtigen Akroasis fand ich in dem Gedicht von<br />
Pablo Picasso:</p>
<p>Pablo Picasso: Ich suche nicht – ich finde</p>
<p>Suchen, das ist ausgehen von alten Beständen<br />
Und ein Findenwollen von bereits Bekanntem im Neuen.<br />
Finden, das ist das völlig Neue!<br />
Das Neue auch in Bewegung,<br />
Alle Wege sind offen,<br />
und das, was gefunden wird, ist unbekannt.<br />
Es ist ein Abenteuer, ein heiliges Abenteuer.<br />
Die Ungewissheit solcher Wagnisse<br />
können eigentlich nur jene auf sich nehmen,<br />
die sich im Ungeborgenen geborgen wissen,<br />
die in die Ungewissheit geführt werden,<br />
die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen -<br />
die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht<br />
menschlich beschränkt und eingeengt<br />
das Ziel bestimmen.<br />
Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Aussen und Innen:<br />
Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen,<br />
der in aller Angst des Loslassens<br />
doch die Gnade des Gehaltenseins<br />
im offen werden neuer Möglichkeiten erfährt.</p>
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